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Die Zukunft des Liberalismus/Libertarismus Teil 1 von Susanne Kablitz

Studiert man die Geschichte des Liberalismus, so entfaltet sich eine Welt der Halbwahrheiten und der Missverständnisse. Nur einige wenige definieren den Liberalismus als das, was er wirklich ist – nämlich die Garantie, dass alle Menschen auf humanem Wege zu Wohlstand, Unabhängigkeit und Eigenbestimmung gelangen können. Diese wenigen Menschen verbinden ihn mit einem freundlichen Gesicht; einem, das aufrichtig und von der Überzeugung gekennzeichnet ist, dass das Streben nach Frieden und Freiheit mehr ist als ein Lippenbekenntnis.

Der Liberalismus hat einige Wurzeln in der Antike, auch in der italienischen Renaissance finden sich Hinweise; die eigentliche Quelle des Liberalismus liegt allerdings im England des 17. Jahrhundert. So war es die Partei der Whigs, die in der Revolution von 1688/1689 ihren Widerstand gegen monarchische Willkür zum Ausdruck brachten und bis zur französischen Revolution Träger der liberalen Ideen waren. Die Ideale der Whig-Partei  waren Meinungsfreiheit, die Herrschaft des Gesetzes und das Privateigentum – dies vor allem an den Produktionsmitteln.

Im Kern ging es um Menschenrechte, um die Beseitigung der Macht, die Menschen über Menschen ausüben, also die formelle Gleichheit vor dem Recht. Dies war etwas, was von den Moralphilosophen als DIE Grundvoraussetzung eines friedlichen Miteinanders artikuliert wurde.

Kaum jemand anderes hat den Liberalismus jedoch nachhaltiger geprägt als Richard Cobden (1804 -1865), den Anführer der britischen Freihandelsbewegung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die als Manchester-Kapitalismus diskreditierte Freihandels- und Reformbewegung wird bis heute mit Herzlosigkeit und gnadenloser menschlicher Kälte in Verbindung gebracht, die lediglich den ökonomischen Interessen der Geldmenschen dienlich war. Für Cobden war es hingegen ein Kampf gegen die politisch motivierten Bereicherungsmonopole auf Kosten der Bevölkerung, die vom Land in die Städte strömten, um ihrem sicheren Hungertod zu entkommen.

Der Liberalismus hat es immer schwer gehabt. Tugenden wie Fleiß, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Ehrgeiz und Selbsterfüllung sind von Eigenverantwortung geprägt und zeigen Unzulänglichkeiten unmissverständlich auf. Der Liberalismus ist aber auch eine Hommage an den Wert des Menschen, an dessen Unverwechselbarkeit und an seinen Stolz. In einer Welt, die durch die Bevormundung einiger weniger geprägt ist, die in einer Anmaßung von Wissen (Friedrich A. von Hayek) der Überzeugung sind, es „besser zu können“ geht die Besonderheit von Individuen nahezu unter.

Eigenverantwortung und Selbstbestätigung formen ganz andere Menschen als die, die auf Lebzeiten von aller Verantwortung ferngehalten und fremdversorgt werden. Die Gemeinschaft besteht aus Individuen und es gibt in der Menschheitsgeschichte nicht EIN Beispiel, in dem Wohlstand dadurch entstanden ist, dass eine Regierung ihn planwirtschaftlich hergestellt hat.

Wir befinden uns heute im Zeitalter des Korporatismus, einer verhängnisvollen Symbiose aus Politik, Finanzwirtschaft und Großkonzernen, die fälschlicherweise den „Auswüchsen“ des (Neo-)Liberalismus  und noch besser – des Kapitalismus – angehängt werden. Die wahren Ideen des Liberalismus wurden leider allzu oft verraten und verkauft.

Ich wünsche mir, dass diese Ideen wieder zum Leben erweckt werden. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die von Eigenverantwortung, Mitgefühl und Freiheit geprägt ist. Eine Gesellschaft, die auf eigenen Beinen steht und nicht glaubt, jemanden zu benötigen, der ihr Leben bestimmt und ständig maßregelnd eingreifen muss. Ich möchte, dass der Liberalismus wieder zu Ehren kommt – denn das hat er verdient. Ich wünsche mir, dass der durch Begriffsverstümmelungen malträtierte und von politischen und wirtschaftlichen Einzelinteressen missbrauchte Liberalismus befreit und eines wunderbaren Tages real wird um dann endlich einmal beweisen zu können, was in ihm steckt. Dass er zeigen kann, wozu Menschen fähig sind, wenn sie über ihr Leben eigenverantwortlich entscheiden, wenn Freiheit mehr bedeutet, als die Auswahl eines Mittagessens oder eines Fernsehprogramms. Wenn Menschen erkennen, dass zum Gewinnen auch das Verlieren gehört, zum Vorteil auch der Nachteil, zum Bequemen auch das Unbequeme und dass dies Freiheit bedeutet. Der Preis für die Freiheit ist niedrig – wir haben lediglich mit unserer Eigenverantwortung zu zahlen.